Regionalstudien (Area Studies)

Ob Zukunftsvisionen Afrikas, Innovationsfähigkeit Chinas oder Wandel in Osteuropa – grenzüberschreitende Fragen können besser in grenzüberschreitender Zusammenarbeit beantwortet werden. Wie gut dies gelingt, zeigen die Regionalstudien in Deutschland.

Lupe liegt auf historischem Kartenmaterial; © Adobe Stock / Andrey Burmakin

Adobe Stock / Andrey Burmakin

Der Blick nur auf den viel zitierten eigenen Tellerrand hat noch nie gereicht, um etwas zu verstehen. Die Regionen und Gesellschaften unserer Welt sind miteinander verflochten, sei es politisch, wirtschaftlich, kulturell, sozial, religiös oder auch digital. Diese Verflechtungen zu erforschen, dokumentieren und interpretieren ist eine Kernaufgabe der Regionalstudien. Mit ihrem Wissen und ihren interdisziplinären Kooperationen, die regional und thematisch fokussiert sind, tragen sie zum besseren Verständnis aktueller und historischer Entwicklungen bei.

Ausbau der Förderung

Während andere Länder in den vergangenen Jahren die Mittel für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung gekürzt haben, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Förderung ausgebaut. Mit zwei umfangreichen Fördermaßnahmen hat es seit nunmehr zehn Jahren mit mehr als 65 Millionen Euro die Regionalstudien in Deutschland unterstützt. Untersucht werden globale Verflechtungen sowie kulturelle, politische, wirtschaftliche und religiöse Austauschprozesse. Dazu zählen etwa das wirtschaftliche Engagement Chinas in Afrika oder die Rivalität der Großmächte um Einfluss im arabischen Raum. Doch das ist nicht alles: Außerhalb der Förderrichtlinien kommen mehr als sechs Millionen Euro für den Verbund von Forum Transregionale Studien und Max Weber Stiftung zur transregionalen Forschung hinzu.
Zudem fördert das BMBF mit 1,4 Millionen Euro die seit April 2019 laufende Konzeptphase des Interdisziplinären Forschungszentrums Ostseeraum (IFZO) der Universität Greifswald. Regionalstudien spielen auch in den Fördermaßnahmen Käte Hamburger Kollegs und Merian Centres eine Rolle und sind teilweise in den Kleinen Fächern vertreten, die ebenfalls vom BMBF gefördert werden.

Antworten auf zentrale Forschungsfragen finden

Mit dem aktuellen Rahmenprogramm „Gesellschaft verstehen – Zukunft gestalten“ unterstützt das BMBF regionalwissenschaftliche Forschungen an deutschen Hochschulen weiter. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, etwa zur Funktionsfähigkeit und Legitimität liberaler Demokratien oder zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland in seinen internationalen Verflechtungen und Gefährdungen. Auf diese oder weitere Forschungsfragen können die Regionalstudien mit ihren sehr guten Forschungsleistungen wertvolle Antworten geben und zugleich die exzellente Forschung in Deutschland in die Welt tragen.
Zum Beispiel ist im Jahr 2016 bereits die zweite Auflage des Bandes „Governance and Adaptation of the Communist Party. A Comparative Perspective“ auf Chinesisch erschienen, die im Rahmen des Area Studies geförderten Kompetenznetzes „Regieren in China – Voraussetzungen, Beschränkungen und Potenziale politischer Anpassungs- und Innovationsfähigkeit im 21. Jahrhundert“ erarbeitet wurde. Die interessierte Öffentlichkeit kann sich dank allgemein verständlicher „Background Papers“ über die Chinaforschung informieren.


Stärkung der Regionalstudien

Im Oktober 2019 hat das BMBF eine neue Förderrichtlinie (Bundesanzeiger vom 10.10.2019  ) veröffentlicht, um die exzellente Forschung der Regionalstudien mit hoher fachlich-methodischer Kompetenz zu stärken und die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Regionalwissenschaften mit weiteren Disziplinen zu stärken. Neben den so genannten Kleinen Fächern können nun auch Technik-, Natur- und Lebenswissenschaften eingebunden werden. Weitere Ziele sind die strukturelle Stärkung der Regionalstudien besonders an den Universitäten, die Internationalisierung der Hochschulen und des deutschen Wissenschaftssystems sowie Transfer zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft. Auch die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses soll durch internationale Forschungserfahrungen und Kooperationen unterstützt werden. Mit der geplanten Förderrichtlinie will das BMBF insbesondere gegenwartsbezogene Forschungsthemen fördern – und das zunächst drei Jahre lang, nach positiver, externer Evaluation ist eine Verlängerung um weitere drei Jahre möglich.