Migration und Integration

Mit der Frage, welche nachhaltigen Auswirkungen Migration auf unsere Gesellschaft hat, beschäftigen sich seit November 2017 weitere rund 50 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsprojekte.

Hände fassen gemeinsam einen Globus an; Adobe Stock / Joachim Wendler

Adobe Stock / Joachim Wendler

Die im Rahmen der Fördermaßnahme „Migration und gesellschaftlicher Wandel“ (Bundesanzeiger vom 15.11.2016)  geförderten Projekte befassen sich mit den Mechanismen von Integration und nehmen dabei besonders den kulturellen und den institutionellen Wandel der Gesamtgesellschaft in den Blick. Beispielsweise wird der Einfluss von Migration auf die Leitbilder von Erziehung oder auf die Erinnerungskultur in Deutschland untersucht.

Migrationsprozesse beeinflussen auch die Strukturen von Einrichtungen und Institutionen in Deutschland. Das Spektrum der zu untersuchenden Institutionen reicht dabei von der Polizei über Schulen und das Gesundheitswesen bis hin zu kulturellen Einrichtungen. Herausgearbeitet werden beispielsweise die Veränderungen von Organisationsstrukturen oder Best Practice-Beispiele für eine interkulturelle Öffnung.

Integration

Einwanderung führt dazu, dass in unserer Gesellschaft mehr Menschen mit unterschiedlichen Sprachen, Religionen und Verhaltensweisen zusammenleben. Dieser Wandel wird in der deutschen Gesellschaft auf der einen Seite als Chance, auf der anderen als Gefahr eingestuft. In dieser Diskussion ist die Frage zentral, was Gesellschaften im Kern zusammenhält. In der öffentlichen Debatte zur Integration stehen in aller Regel die Aspekte Kompetenzen (z. B. Sprache), Akzeptanz von Normen und Einbindung in Institutionen im Mittelpunkt. Vieles deutet jedoch darauf hin, dass Integration auch auf viel niedrigschwelligeren und gegenseitigen Faktoren wie Werten, Gefühlen und Emotionen beruht. Dies gilt besonders im Kontext von Flucht und Vertreibung, da diese für die Betroffenen oftmals mit stressreichen oder traumatisierenden Erlebnissen verbunden sind. Entsprechend untersucht das Verbundprojekt AFFIN (Verbundprojekt Affektive und kulturelle Dimensionen von Integration infolge von Flucht und Zuwanderung) diese emotional-affektiven Faktoren im Verlauf von Integrationsprozessen. Dabei werden sowohl die Geflüchteten als auch die Ankunftsgesellschaft betrachtet.

Die gesellschaftlichen Leitbilder für Elternschaft und Erziehung haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Gleichzeitig ist eine wachsende Heterogenität von Familien zu verzeichnen, zu der frühere und neue Migrationsbewegungen beigetragen haben. Migration kann einerseits einen Beitrag zum Wandel von Leitbildern geleistet haben. Andererseits besteht die Möglichkeit, dass der Wandel Migrantenfamilien anders berührt als nichtgewanderte. Im Förderprojekt DIWAN („Diversität und Wandel der Erziehung in Migrantenfamilien aus der Perspektive von Eltern und Fachpraxis“) geht es um diesen Aspekt gesellschaftlichen Wandels, fokussiert auf die Frage, wie Erziehungsberatung und Familienbildung diesen mitgestalten.

Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung

Die Integration der zahlreichen, in den vergangenen Jahren nach Deutschland geflohenen Kinder und Jugendlichen hat das hiesige Bildungssystem in Bewegung gebracht. Das Verbundprojekt „SchuWaMi“ (Schulischer Wandel in der Migrationsgesellschaft – Schulkultur[en] im Kontext aktueller Fluchtmigration) untersucht, wie die verschiedenen Schulen mit den unterschiedlichen sozialen Gegebenheiten und auch mit den unterschiedlichen Maßnahmen zur Integration umgegangen sind bzw. noch umgehen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Rolle der Schulkulturen und ihren institutionellen Voraussetzungen. Diese prägen die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung, werden aber umgekehrt auch durch die Aufnahme der Kinder in ihrem Wandel beeinflusst. Die Forscherinnen und Forscher beleuchten den Zusammenhang zwischen der jeweiligen Schulkultur und der Teilhabe der geflohenen Kinder und Jugendlichen innerhalb und außerhalb der Schulen in vier Bundesländern. Im Vergleich der verschiedenen Schulen zueinander lassen sich Bedingungen identifizieren, die einen erfolgreichen Umgang von Schulen mit Flucht und Migration begünstigen. Mit diesem Wissen lässt sich im Ergebnis die Teilhabe der geflohenen Kinder und Jugendlichen stärken.

Forschung zu Fluchtursachen

Angesichts der zunehmenden Zuwanderung durch Flucht und Vertreibung wird in Deutschland die Forschung zu Fluchtursachen ausgeweitet und ihre nationale wie internationale Vernetzung verstärkt. Die Flucht- und Migrationsforschung soll nachhaltig als Forschungsfeldes etabliert werden, das exzellente Forschungsleistungen erbringt sowie fundiertes Orientierungs- und Handlungswissen für Politik, Praxis und Öffentlichkeit bereitstellt. Das übergeordnete Ziel ist es, Erkenntnisse zu erzielen, die dabei helfen, mit Pluralität umzugehen, Teilhabe zu ermöglichen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Förderrichtlinie: Migration und gesellschaftlicher Wandel
Begriff Anzahl
Verbundprojekte: 23
Teilvorhaben:    52
Fördersumme insg.:      ca. 18 Mio. Euro
Laufzeit geförderter Vorhaben:               2017-2022

Projekt „Flucht: Forschung und Transfer“


Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Verbundprojekt des Instituts für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS), Universität Osnabrück, und dem BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn – Bonn International Center for Conversion) hat die Erkenntnisse der Flüchtlingsforschung in Deutschland zusammengetragen und diese in einer Forschungslandkarte sichtbar gemacht. Auch die Ergebnisse zu politisch relevanten Fragen, etwa nach Fluchtursachen oder Herausforderungen der Integration, wurden zusammengeführt und für den Wissenstransfer in Politik, Verwaltung, Medien und Gesellschaft aufbereitet.